Für viele Motorradfahrer ist eine Upside Down Gabel (USD) das absolute Muss. Doch nur die wenigsten Biker wissen, was die Unterschiede einer USD-Gabel zu einer normalen Teleskopgabel sind und welche technischen Vorteile sie mit sich bringt. Ist also eine Upside Down Gabel wirklich besser als die herkömmliche Variante? Wir klären auf!

USD-Gabel vs. Teleskopgabel – Die Unterschiede beim Motorrad

Die Gabelbeine von Upside-down-Gabeln sind so angeordnet, dass die inneren Rohre unten liegen und die Achse des Vorderrades tragen. Die Gabelbrücken, an denen große Hebelkräfte wirken, führen so die biegesteiferen, äußeren Rohre mit dem größeren Durchmesser. Auch ein größerer Klemmdurchmesser in der Gabelbrücke wird so ermöglicht.

Die inneren Gabelbeinrohre sind zwar weniger steif, weil ihnen durch den umgekehrten Einbau die feste Fixierung durch die Gabelbrücken fehlt, können als Gleitrohre aber in weiter voneinander entfernten Gleitlagern geführt werden, so dass insgesamt eine höhere Steifigkeit des Gabelbeins erzielt wird.

Weiterhin hat diese Konstruktion geringere ungefederte Massen, da ja die dünnen Rohre nach untern zeigen, was grundsätzlich die Radführung verbessert. Allerdings ist das Gesamtgewicht einer Upside-down-Gabel konstruktionsbedingt größer und der Lenkeinschlag wegen der dickeren Rohre oben geringer. Zudem sind die Gabeldichtringe theoretisch einem stärkeren Verschleiß durch Verschmutzung unterworfen.

Teleskopgabeln sind also insgesamt etwas leichter, dafür aber weniger steif und auch die Dichtringe sind besser vor Verschmutzung geschützt.

Upside Down Gabel = Besseres Fahrverhalten?

Kurz und knapp: Nein! Eine Upside-Down-Gabel bringt definitiv, wie bereits oben erwähnt, im Normalbetrieb kein extrem verbessertes Fahrverhalten. Im Rennsport profitieren Motorräder mit USD-Gabel aber von geringen ungefederten Massen, einer etwas höheren Steifigkeit, sowie einer daraus resultierenden besseren Radführung, die wohl nur Rennfahrer erspüren können.

Merkt man den Unterschied zwischen Upside Down Gabel und Teleskopgabel?

Nachdem du nun weißt, welche Eigenheiten eine USD-Gabel mit sich bringt, fragst du dich sicher nun, ob der Unterschied beim Fahren spürbar ist und wir müssen ehrlich sagen: NEIN! Würde man selbst einen Profirennfahrer mit verbunden Augen auf eine Testrunde schicken, so könnte er zu 99% nicht mit Gewissheit sagen, ob eine USD oder Teleskopgabel verbaut ist…

Generell kommt es viel mehr auf die verwendeten Komponenten in der Gabel an und da gibt es sowohl bei konventionellen Gabeln, als auch USD-Gabeln große Unterschiede. In beiden Klassen sind vom absoluten Schrottfahrwerk bis hin zur feinsten Ware alle Möglichkeiten gegeben!

Warum wird dann in modernen Bikes eine USD-Gabel verbaut?

Ehrlich gesagt scheint eine USD Gabel über die Jahre hinweg vom Trend zum „state-of-the-art“ Status aufgestiegen zu sein. Ein Hersteller hat damit begonnen USD Gabeln in seine Bikes zu verbauen (besonders der Supersportbereich) und die anderen sind gefolgt. Die kleinen Vorteile, die eine USD Gabel mit sich bringt sind wohl nur im Rennstreckenbetrieb und von wirklich erfahrenen Biker zu erfühlen. Der Rest ist wohl Prestige… Bei günstigen und kleineren Bikes für den City-Betrieb werden aber nach wie vor regulär Teleskopgabeln im klassischen Sinne verbaut. Wie bereits erwähnt können daraus Vorteile wie der höhere Lenkereinschlag und ein geringes Gewicht erzielt werden.

Wer sich also beim Bike-Kauf allzu viele Gedanken macht, ob nun eine USD- oder konventionelle Teleskopgabel verbaut ist, der kann getrost beruhigt werden. Man wird den Unterschied im Fahrbetrieb wohl nicht merken und im Endeffekt klingt USD nur im Werbeprospekt super gut!

 

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Marvin
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1 KOMMENTAR

  1. Moin,
    ich habe bei der USD Gabel ja immer die Befürchtung, dass das untere eintauchende Rohr eher verschmutzt und sich dies negativ auf die Lebenserwartung der Chromschicht bzw. der anliegenden Dichtringe auswirkt. Ich weiß aber nicht, ob da was dran ist.

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