Der richtige Reifendruck am Motorrad ist für viele ein Thema, welches vernachlässigt wird. Oft ist es schlechtweg die Unwissenheit und Weisheiten vom Stammtisch, die Motorradfahrer dazu veranlassen sich entweder überhaupt nicht oder nicht selten mit fragwürdigen Maßnahmen um den Reifendruck kümmern. In diesem Artikel gebe ich euch allgemeingültige Tipps zum Thema Reifendruck beim Motorrad an die Hand, welche für alle Sportmotorräder ab 900ccm geltend gemacht werden können…

Allgemeines zum Luftdruck am Motorrad

Ganz allgemein ist auf jedem Motorrad irgendwo die Angabe des Reifendrucks zu finden. Sollte die Plakette nich irgendwo am Motorrad zu finden sein, so ist mit Sicherheit auch in der Betriebsanleitung ein entsprechendes Kapitel mit den Angaben zu finden. Solltet ihr diese Werte gefunden oder im Kopf haben, dann war es das schon! Auch bei einem Reifenwechsel bleibt der Luftdruck der Motorradreifen immer gleich…

Luftdruck nicht von Reifenherstellern sondern Motorrad-Herstellern vorgegeben!

Denn, der Luftdruck wird nicht wie oft fälschlicherweise vermutet von den Reifenherstellern, sondern vom Fahrzeughersteller vorgegeben und ändert sich in aller Regel nicht! Nur in ganz speziellen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass der Reifenhersteller aufgrund einer speziellen Karkassenkonstruktion oder eines Stollenprofils einen anderen Luftdruck vorgibt. Solche Fälle sind aber bei Sportmotorrädern und Naked-Bikes eher nicht die Praxis.

Doch was sagen nun die Angaben eines Motorradhersteller über den Luftdruck aus? Erschreckend wenig! Denn die Angabe in der Betriebsanleitung bzw. auf dem Motorrad ist immer nur der maximale Luftdruck, welcher für die Reifen im Einzel- oder Soziusfahrbetrieb bei maximaler Leistung vorgegeben ist, welcher mit der Geometrie des Fahrzeug harmoniert. Das bedeutet, dass der Reifendruck auf keinen Fall über die angegeben Werte hinaus eingestellt werden sollte, durchaus aber etwas darunter liegen kann / darf.

Generell gelten die folgenden Aussagen über den Reifenluftdruck am Motorrad für ALLE Motorräder aus dem Sport, Supersport und Naked-Bike-Segment ab grob 800-900cmm++. Touring Bikes und andere Maschinen können davon ausgenommen werden und werden wahrscheinlich mit anderen Drücken gefahren.

Mythos: Auflagefläche größer mit niedrigem Luftdruck!?

Kurz und knapp: NEIN! Die Auflagefläche eines Motorradreifens wird NICHT und NIEMALS größer durch das Ablassen von Luft. Ganz gleich welche Meinungen ihr am Stammtisch oder sonst wo gehört habt, jeder Reifenexperte und die großen Hersteller werden es euch bestätigen: Eure Auflagefläche der Reifen vergrößert sich weder am Vorder- noch am Hinterrad beim Ablassen von Luft. Durch die Konstruktion der Reifen ist diese immer so gut wie gleich und ie Änderungen in so einem winzigen Bereich, dass ihr und kein Profirennfahrer jemals erspüren kann. Wer meint, dass das Luft ablassen am Motorradreifen zu einer größeren Reifenauflage führt, der kann genauso gut vor jeder Fahrt den Staub vom Gummi putzen um mehr Grip zu erzielen oder einen VR46 Sticker anbringen, welcher die Endgeschwindigkeit erhöht 🙂

Das Absenken des Luftdrucks bringt keinen Gewinn an Haftung!

Was bewirkt die Variation des Luftdrucks beim Motorradreifen?

Generell führt das Spiel mit dem Luftdruck dazu dass sich gewisse Eigenschaften ändern. So führt zum Beispiel ein zu geringer Luftdruck dazu, dass die Karkasse negativ anfängt zu arbeiten, die Zielgenauigkeit leidet oder das Motorrad beim Bremsen anlegen sich aufrichtet.

Wie den Luftdruck beim Motorrad richtig einstellen?

Für den sportlichen Einsatz auf der Landstraße gilt für alle Sportmotorräder, damit optimale Ergebnisse in Hinblick auf Eigendämpfung und Fahrverhalten erreicht werden:

Der richtige Luftdruck beim Motorrad am Vorderrad

  • Reifenbreite:120
  • Kalt gemessen 2,4-2,5 Bar im sportlichen Landstraßenbetrieb

Der richtige Luftdruck beim Motorrad am Hinterrad

  • Reifenbreite: 180-200
  • Kalt gemessen 2,6-2,9 Bar im sportlichen Landstraßenbetrieb

Der Luftdruck auf der Rennstrecke

Nur für den Gebrauch auf der Rennstrecke sollten die Drücke unter die oben empfohlenen Werte abgesenkt werden. Da durch die extreme Belastung insbesondere Das Bremsen die Karkasse arbeitet und der Reifen walkt, erhitzt sich dieser unverhältnismäßig und somit steigt der Reifeninnendruck an. Die führt dazu, dass mit Straßendruck der Luftdruck dann höher als zulässig wäre. Auf der Rennstrecke sollten die Reifen kalt rund 0,3 – 0,4 Bar weniger beinhalten, damit sie im warmen Zustand wieder auf ihre vorgegeben Werte kommen.

Der Reifendruck mit Rennsportreifen / Semi Rennreifen auf der Straße

Rennsportreifen sind vollkommen anders konstruiert wie Straßenreifen. Oft ist die Karkasse bereits komplett anders geformt und extrem Spitz um ein gutes Handling zu ermöglichen. Außerdem sind die Reifen von der Mischung her so konstruiert, dass diese nur in einem ganz speziellem Temperaturfenster funktionieren.

Damit Semi Rennreifen auf der Landstraße einigermaßen funktionieren, ist es ratsam nur in diesen Fällen etwas unter den Wert von 2,4-2,5 zu gehen (—> 2,2-2,3), damit der Reifen überhaupt in das funktionierende Temperaturfenster auf der Landstraße kommt. Diese angaben sind aber mit Vorsicht zu genießen und sollten selbst überprüft werden!

Semi Rennreifen und Rennsportreifen sind: Bridgestone RS10, Metzeler Racetec RR, Micheln Power Cup Evo, Pirelli Supercorsa SP V2, Continental Race Attack

Wer es noch in Videoform hören will – hier eine zweite Meinung von einem meinerseits sehr geschätztem Experten…

Habt ihr noch Tipps und Ergänzungen rund um das Thema Luftdruck bei Motorrad? Hinterlasst einen Kommentar!

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Marvin
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